Wissenschaftler haben über 40 verlorene Seiten eines neutestamentlichen Manuskripts aus dem 6. Jahrhundert wiederentdeckt. Der sogenannte Codex H galt seit dem 13. Jahrhundert als verschollen, nachdem er im Kloster Megisti Lavra auf dem Berg Athos zerlegt und seine Seiten für andere Bücher wiederverwendet wurden.
Mithilfe moderner Multispektralbildgebung konnten Forscher die ursprünglichen Texte wieder sichtbar machen. Die gefundenen Seiten enthalten unter anderem die ältesten bekannten Kapitelverzeichnisse der Paulusbriefe sowie Notizen antiker Schreiber, berichtet die israelische Zeitung Jerusalem Post. Sie zitiert Teamleiter Professor Garrick Allen von der University of Glasgow. „Wir wussten, dass das Manuskript irgendwann neu mit Tinte beschrieben wurde. Die Chemikalien der neuen Tinte verursachten sogenannte ‚Offset‘-Spuren auf gegenüberliegenden Seiten.“ So entstand praktisch ein Spiegelbild des Textes auf dem gegenüberliegenden Blatt. Dies konnte mit moderner Technik sichtbar gemacht werden.
Radiokarbondatierungen bestätigten das Alter der Manuskripte. Die Entdeckung liefert neue Einblicke in die frühe Überlieferung christlicher Schriften und den Umgang mit alten Büchern im Mittelalter.