Der Traum vom somalischen Spitzen-Schiedsrichter Omar Artan endete nicht auf dem Platz, sondern am Grenzschalter. Omar Artan aus Somalia, von der FIFA für die WM 2026 nominiert und damit auf dem Weg zum grössten Einsatz seiner Karriere, durfte in Miami nicht einreisen. Die US-Behörden begründeten den Entscheid mit angeblichen Verbindungen zu mutmasslichen Mitgliedern terroristischer Organisationen. Artan weist die Vorwürfe zurück und vermutet, sein Herkunftsland sei das eigentliche Problem.
Auch Lothar Matthäus äusserte sich kritisch zu dem Fall. Für den deutschen Rekordnationalspieler ist es schwer nachvollziehbar, dass ein von der FIFA überprüfter und für eine Weltmeisterschaft ausgewählter Unparteiischer kurz vor Turnierbeginn an der Grenze scheitert. Seine Worte sind letztlich Ausdruck eines Unbehagens, das viele Fussballfreunde teilen dürften.
Denn hier geht es um mehr als um einen Schiedsrichter. Es geht um die Idee des Weltfussballs. Die FIFA inszeniert ihre Turniere gern als Fest der Völkerverständigung. Auf dem Rasen sollen Herkunft, Religion und Politik keine Rolle spielen. Doch die Realität holt diese schöne Erzählung immer wieder ein. Wenn ein Schiedsrichter aus Somalia trotz erfolgreicher Karriere, internationaler Anerkennung und FIFA-Nominierung nicht einmal die Chance erhält, seine Arbeit auszuüben, dann bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Natürlich hat jeder Staat das Recht, über seine Grenzen zu entscheiden. Sicherheit ist kein Thema für Romantiker. Aber gerade deshalb wäre Transparenz wichtig. Solange die Vorwürfe im Raum stehen, ohne dass die Öffentlichkeit nachvollziehen kann, worauf sie beruhen, bleibt vor allem eines zurück: der Eindruck, dass ein Mensch für etwas bestraft wird, das mit seiner Herkunft zu tun haben könnte und nicht mit seinen Leistungen.
Für Omar Artan ist das besonders bitter. Die WM ist für einen Schiedsrichter das, was für einen Spieler ein Final ist: die Krönung jahrelanger Arbeit. Dieser Moment wurde ihm genommen, bevor überhaupt der erste Pfiff ertönen konnte.
Der Fussball wird deshalb nicht stehen bleiben. Die WM wird gespielt, die Milliarden werden fliessen. Aber irgendwo bleibt die Frage zurück, wie weltumspannend ein Weltturnier wirklich sein kann, wenn nicht einmal alle, die dafür ausgewählt wurden, daran teilnehmen dürfen. Das ist schade. Nicht nur für Omar Artan. Sondern auch für den Fussball.
Daniel Gerber