Wer Israel Mbonyi zum ersten Mal erlebt, versteht zunächst gar nicht, was da gerade geschieht. Da steht kein Popstar auf der Bühne. Keine Tänzer, keine Feuerfontänen, keine grossen Gesten. Und doch singen Tausende Menschen mit …
Seine Musik zieht immer grössere Kreise: Nicht nur in seiner Heimat Ruanda. Auch in Kenia, Uganda, Tansania oder im Kongo kennen sie seine Lieder auswendig. Israel Mbonyi ist einer jener seltenen Künstler, die nicht laut werden müssen, um gehört zu werden.
Geboren wurde er 1992 im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Aufgewachsen ist er in Ruanda, einem Land, das wie kaum ein anderes in Afrika gelernt hat, nach dunklen Jahren wieder Hoffnung zu suchen. Vielleicht erklärt das einen Teil seiner Wirkung. Seine Musik klingt nach Trost, nach Hoffnung.
«Nina Siri» stellt alles auf den Kopf
Seine Karriere begann vergleichsweise unspektakulär. Als Kind sang er im Kirchenchor, lernte Musik und brachte sich das Gitarrenspiel bei. 2014 veröffentlichte er sein erstes Album «Number One». In Ruanda wurde er bekannt. Doch Ostafrika nahm zunächst kaum Notiz von ihm.
Dann kam «Nina Siri». Das Lied wurde zum Schlüssel, der eine Tür aufstiess. Plötzlich sang Mbonyi nicht mehr nur auf Kinyarwanda, sondern auch auf Suaheli. Die Sprachgrenze fiel. Millionen Menschen hörten zu. Aus dem ruandischen Gospel-Sänger wurde ein ostafrikanisches Phänomen. Seine Songs «Malengo Ya Mungu», «Nitaamini» oder «Sikiliza» verbreiteten sich über Smartphones, WhatsApp-Gruppen und YouTube schneller als jede Marketingkampagne.
Glaube steht über Erfolg
Das Bemerkenswerte daran: Mbonyi wirkt nie wie ein Star, der berühmt werden wollte. In Interviews spricht er lieber über seinen Glauben als über Erfolg. Er bezeichnet sich selbst als Prediger mit Mikrofon. Seine Bühne ist für ihn weniger Konzertsaal als Kanzel.
Daneben studierte Mbonyi in Indien Pharmazie und beschäftigte sich später mit Public Health. Er hätte vermutlich auch eine akademische Karriere einschlagen können. Stattdessen entschied er sich für die Musik – und wurde zu einer der prägendsten Stimmen des modernen afrikanischen Gospel.
Nicht Show sondern Gemeinschaft
Heute füllt er Hallen von Kigali bis Kampala. Auf YouTube folgen ihm mehr als 2,3 Million Menschen; das Lied «Nina Siri» hat über 94 Millionen Aufrufe. Seine Konzerte gleichen weniger Shows als grossen gemeinschaftlichen Gebeten. Wer sie besucht, erlebt nicht nur Musik. Er erlebt Zugehörigkeit. Hoffnung. Gemeinschaft. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis von Israel Mbonyi.