Kirchenreste, Taufbecken und historische Reiseberichte spielen eine zentrale Rolle bei der Suche nach dem Ort, an dem Johannes der Täufer Jesus getauft haben soll. Der jordanische Archäologe Mohammad Waheeb sieht darin Hinweise auf das Gebiet Al-Maghtas am Ostufer des Jordan.
Al-Maghtas in Jordanien gilt seit Langem als traditioneller Ort der Taufe Jesu. Doch über die genaue Lage der biblischen Stätte wurde immer wieder diskutiert. Mohammad Waheeb von der Haschemitischen Universität in Jordanien vertritt die Auffassung, dass die archäologischen Überreste am Ostufer des Flusses mit dem in der Bibel erwähnten Bethanien jenseits des Jordan übereinstimmen. Das Gebiet liegt rund acht Kilometer vom Toten Meer entfernt. Andere Lokalisierungen beziehen sich auf das westliche Jordanufer, berichtet Life Site News.
Ausgrabungen über mehrere Jahre
Waheebs Untersuchung, veröffentlicht im Egyptian Journal of Archaeological and Restoration Studies, befasst sich mit der historischen Debatte um die Taufstätte. Ein Schwerpunkt liegt auf den Ausgrabungen, die er gemeinsam mit seinem Team zwischen 1996 und 2002 durchführte.
Die Arbeiten brachten verschiedene Zeugnisse früherer Besiedlung und religiöser Nutzung ans Licht. Dazu gehören Überreste von Kirchen, Taufbecken, Gebetsräume, Mosaike und Anlagen zur Wasserversorgung. Die Funde werden unterschiedlichen Epochen zugeordnet: von der römischen über die byzantinische bis zur frühislamischen Zeit.
Für Waheeb ergibt sich daraus ein Bild von einem Ort, an dem christliche Gemeinschaften über einen längeren Zeitraum religiöse Gebäude errichteten und nutzten. Die Entdeckungen wertet er zugleich als Argument dafür, Al-Maghtas mit dem in Johannes 1,28 erwähnten Bethanien jenseits des Jordan gleichzusetzen.
Streit um den biblischen Ortsnamen
Ein Teil der Diskussion reicht bis in die frühe Kirchengeschichte zurück. Der Theologe Origenes, der im frühen dritten Jahrhundert lebte, konnte nach Waheebs Darstellung Bethanien am Jordan nicht ausfindig machen. Deshalb bevorzugte er für die betreffende Bibelstelle den Namen Bethabara und brachte den Ort mit dem westlichen Flussufer in Verbindung.
Waheeb hält diese Deutung für problematisch. Seiner Untersuchung zufolge steht in nahezu allen bekannten Handschriften der Name Bethanien. Möglicherweise habe Origenes das Dorf bei Jerusalem vor Augen gehabt, das aus den biblischen Erzählungen über Maria, Marta und Lazarus bekannt ist.
Der Archäologe sieht in dieser frühen Auslegung einen möglichen Grund dafür, dass sich eine alternative Ortszuordnung etablieren konnte. Seine eigene Interpretation setzt dagegen auf die Lage am östlichen Ufer.
Was frühe Reisende überlieferten
Neben den archäologischen Befunden zieht Waheeb historische Pilgerberichte heran. Der Pilger von Bordeaux, der im Jahr 333 reiste, und der Verfasser Theodosius, dessen Bericht aus dem Jahr 530 stammt, ordneten die Taufstätte demnach einem Punkt am Jordan zu, der fünf Meilen von der Einmündung des Flusses ins Tote Meer entfernt lag.
Ein weiterer Reisebericht aus dem Jahr 570, der dem Pilger von Piacenza zugeschrieben wird, erwähnt ein großes Johanneskloster und Unterkünfte für Pilger in der Umgebung. Solche Aufzeichnungen dienen Waheeb als zusätzliche Anhaltspunkte für die historische Bedeutung des Gebiets.
Die archäologischen Ergebnisse, die geografischen Angaben und die schriftlichen Überlieferungen bilden gemeinsam die Grundlage seiner These. Waheeb betrachtet sie als Unterstützung für die Identifizierung von Al-Maghtas mit dem biblischen Bethanien jenseits des Jordan. Die Zuordnung des genauen Taufplatzes bleibt jedoch Gegenstand historischer und wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Mehr Details zu Jesus Christus findest du hier.
Daniel Gerber