Zehn afrikanische Nationen in den Top 75 der FIFA-Weltrangliste. Marokko auf Platz sechs. Senegal auf 18. Ägypten, Algerien, die Elfenbeinküste und die DR Kongo finden sich ebenfalls weit oben. Das ist keine Momentaufnahme mehr. Afrika klopft nicht mehr an die Tür des Weltfussballs. Afrika ist bereits im Haus.
Es gibt Zahlen, die sind trocken. Und es gibt Zahlen, die eine Geschichte erzählen. Die neue FIFA-Weltrangliste gehört zur zweiten Kategorie.
Zehn afrikanische Nationalmannschaften stehen nach der Weltmeisterschaft 2026 unter den besten 75 der Welt. Noch bemerkenswerter: Marokko ist Sechster. Eine afrikanische Mannschaft war noch nie so weit oben.
Es sind zehn afrikanische Teams in den Top 75.
| Rang in Weltrangliste | Afrikanisches Team |
| 6 | 🇲🇦 Marokko |
| 18 | 🇸🇳 Senegal |
| 24 | 🇪🇬 Ägypten |
| 29 | 🇩🇿 Algerien |
| 31 | 🇨🇮 Elfenbeinküste |
| 41 | 🇨🇩 DR Kongo |
| 54 | 🇿🇦 Südafrika |
| 57 | 🇹🇳 Tunesien |
| 64 | 🇨🇻 Kap Verde |
| 65 | 🇬🇭 Ghana |
Das ist kein Zufall. Und es ist auch nicht nur das Ergebnis einer guten Weltmeisterschaft. Es ist das Ergebnis einer Entwicklung, die sich schon länger angekündigt hat – und die durch die WM einen gewaltigen Schub bekommen hat.
Marokko hat die Tür eingetreten
Marokko ist das Symbol dieser neuen afrikanischen Fussballrealität. Vor wenigen Jahren war der Halbfinaleinzug bei einer Weltmeisterschaft für eine afrikanische Mannschaft noch eine Sensation. Heute diskutieren wir darüber, ob Marokko nach seinem nächsten grossen Turnier vielleicht sogar dauerhaft zu den zehn besten Nationen der Welt gehören kann. Das ist ein Unterschied. Dicht gefolgt von den Giganten aus Subsahara-Afrika.
Die Atlas Lions haben gezeigt, dass afrikanischer Fussball nicht mehr nur von Talent lebt. Talent hatte Afrika immer.
Was lange fehlte, waren Strukturen, Stabilität und die Überzeugung, dass man gegen die grossen Fussballnationen nicht nur mithalten, sondern sie auch regelmässig schlagen kann. Marokko hat diese mentale Grenze verschoben. Und plötzlich sind da nicht nur die Atlas Lions. Das eigentlich Spannende ist aber nicht Marokko. Das Spannende ist, was dahinter passiert.
Afrika trumpft auf
Senegal steht auf Platz 18. Ägypten auf 24. Algerien auf 29. Die Elfenbeinküste auf 31. Die DR Kongo auf 41. Südafrika, Tunesien und Kap Verde folgen ebenfalls in den Top 75. Das ist Breite. Und Breite ist im internationalen Sport meistens der zuverlässigste Hinweis auf nachhaltigen Fortschritt.
Eine einzelne Mannschaft kann eine goldene Generation haben. Zwei Mannschaften können einen aussergewöhnlichen Trainer erwischen. Aber wenn plötzlich ein ganzer Kontinent mehrere konkurrenzfähige Nationalteams hervorbringt, dann verändert sich die Statik. Afrika bekommt Gewicht.
Die Weltmeisterschaft als Beschleuniger
Natürlich darf man die Bedeutung der WM nicht überschätzen. Ein Turnier dauert nur einige Wochen. Eine Fussballentwicklung dauert Jahrzehnte. Aber eine Weltmeisterschaft kann Entwicklungen beschleunigen.
Sie bringt Aufmerksamkeit. Geld. Erfahrung. Selbstvertrauen. Sie zwingt Verbände, professionelle Strukturen zu schaffen. Und sie zeigt jungen Spielern, dass die grosse Bühne nicht irgendwo in Europa liegt. Sie liegt auch vor ihrer Haustür.
Die WM 2026 hat deshalb etwas ausgelöst, das man in den nächsten Jahren noch stärker sehen dürfte: Afrikanische Nationalteams gehen mit einem anderen Selbstverständnis in internationale Spiele.
Nicht mehr mit der Frage: Wie können wir möglichst lange mithalten? Sondern mit der Frage: Wie können wir dieses Spiel gewinnen? Das ist ein kleiner sprachlicher Unterschied. Im Fussball ist es eine Revolution.
Das Talent war nie das Problem
Zehn afrikanische Teams unter den besten 75 sind nicht einfach zehn gute Platzierungen. Der Abstand zur Weltspitze wird kleiner. Und Marokko steht auf Platz sechs und schaut nicht mehr nach oben, um zu sehen, wie weit die Weltspitze entfernt ist. Es schaut nach oben und sieht Gegner, die nicht mehr ausser Reichweite sind. Das ist neu.
Vielleicht beginnt gerade eine neue Epoche des afrikanischen Fussballs. Nicht die Epoche, in der Afrika um Anerkennung bittet. Sondern jene, in der Afrika sie einfordert.